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Michael Nau – The Load EP

The Load EP heißt das neueste musikalische Meisterwerk des aus Maryland stammenden Michael Nau. Nach dem beachtlichen Erfolg von ‘Some Twist‘ ist dies die zweite Veröffentlichung Naus in diesem Jahr. Der Künstler selbst sagt über diese neuen Lieder, dass sie aus den gleichen Sessions und Jams stammen, wie jene auf ‚Some Twist‘. Damals aber schienen sie nicht recht zu passen, nun jedoch sind sie endlich soweit, den Fans zu Gehör gebracht zu werden. ‚The Load EP‘ ist somit eine Art Fortsetzung des Vorgängeralbums, und wie man berechtigterweise behaupten kann, ein durchaus gelungenes. Kein zweiter Aufguss, keine stumpfe Wiederholung, vielmehr ein konsequentes Weitergehen des einmal eingeschlagenen Weges.  Abwechslungsreich ist dieses Album, jede Nummer klingt ein wenig anders – was nicht weiter verwundert, fanden sich doch zu jeder Nummer andere Musiker zusammen, um Michael Nau zu unterstützen, und so jedem Lied ein eigenes, unverwechselbares Gepräge zu geben.

Herzergreifend und eingängig sind sie jedoch alle. Der Riff der ersten Nummer des Albums ‚The Load‘ lässt einen sofort an John Spencer denken, der sanfte Gesang erinnert hingegen an den Guitarman J.J. Cale. Gegen Ende der Nummer schlägt plötzlich der Jazz zu, und bietet einen gemäßigt wilden Ausklang. ‚I Root‘ ist ein besinnliches Liebeslied, mit minimalistischer Musik, nachdenklichen Lyriks, die beinahe die Qualität eines gelungenen Chansons erreichen. Die Nummer ‚Sure It Can‘ hat ein wenig den Klang von ‚Jefferson Airplane‘, deutlich hört man auch hier die Jazz- und Blueseinflüsse, auch wenn die Nummer im Ganzen im Bereich des Pop bleibt.  Ruhig und anschmiegsam ist die vierte Nummer ‚Big Wind No Sail‘ – bedächtige Musik und hintergründiger Chorgesang  schmeicheln geradezu dem Ohr. ‚Diamond Anyway‘ gemahnt an den jungen Leonard Cohen, ästhetische, einfache Gitarrenklänge, poetischer, bildreicher Text. Mit nahezu verstörenden Klängen und aufregendem Grundrhythmus beginnt die ‚Looking For a Crack‘, findet indes schnell zu einem Klang, der vor allem durch den weichen, einschmeichelnden Gesang auch den anspruchslosen Hörer für sich gewinnt. Die letzte Nummer des Albums ‚Old Door‘ bietet einen passenden Ausklang, ein wenig schmerzvoll, etwas besinnlich, doch von nichts zu viel, mit dezentem Folkeinschlag. Noch einige Worte zur erfolgreich abgeschlossenen Europatour Michael Naus. Als kleinen Bonus für seine Fans ging der Musiker nicht nur auf ihre Zugabewünsche ein, sondern ließ seine live performance aufnehmen und verteilte diese, als one-off vinyl record gepresst, als einmalige Einzelstücke, an einige glückliche Fans.

FAZIT: Ein schönes Album, das Musik bietet, wie sie sein soll, niemals prätentiös, manchmal überraschend, immer angenehm und inspiriert. Man meint beim Hören die Freude der Künstler an der Musik zu spüren, eine Freude die sich ungebrochen auf den Hörer überträgt. Man möchte mehr hören. Freilich könnte man einwerfen, sei das ganze zuweilen etwas lau, unfertig vielleicht, daher gibt es gesamt gesehen 8 von 10 möglichen Punkten.

--> Musikvideo: Michael Nau - The Load

 
Bewertung:

GENRE: Alternative, Indie

TRACKLIST:

1. The Load
2. I Root (Trio Version)
3. Sure It Can
4. Big Wind No Sail
5. Diamond Anyway
6. Looking For a Crack
7. Old Door

VÖ: 15. 09.2017
Format: EP/CD /Digital
Label: Suicide Squeeze + Full Time Hobby
Auf Tour im Norden: -


Rezensionist: Florian