Düsteres über Pest und Corona

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Hamburg, 29.08.2020 - Kurz nachdem die Band Mono Inc. das erste Mal in 20 Jahren Bandgeschichte mit dem Album The Book of Fire (unsere → Rezension) einen Nummer 1 Hit in den Deutschen Album Charts landen konnten und es eine 10/10 Bewertung von uns gab, mussten sie die Release Tour absagen und den gepackten Tourbus wieder ausräumen. Eigentlich hatte die Band Mono Inc. um Sänger und Mastermind Martin Engler Konzerte für dieses Jahr bereits abgeschrieben, im August kehren sie aber für drei exklusive Shows auf die Bühne zurück. So traten sie nun auch zum letzten Konzert im Cruise Center Steinwerder auf. Das ehemalige Autokino "Cruise Inn" eröffnet neuerdings die Tore für Konzertbesucher, ganz ohne Autos, dafür mit Abstand. In der bestuhlten Open-Air Location können bis zu 1.000 Besucher dort Konzerte in traumhafter Hafenkulisse genießen. So wurde an diesem Abend im Hintergrund der 400 m lange Containerriese „Cosmo Universe“ beladen, nach Dunkelwerden mit Beleuchtung.

Die Gäste hatten die Wahl zwischen Zweier- oder Viererboxen oder Zehnersitzreihen. Zwei LED- Screens garantieren auch im Sitzen eine gute Sicht auf die Künstler auf der Bühne.

Den Support machte die deutsche Pirate/Folk-Metal-Band aus Neuss Storm Seeker. Ihre Musik stellt eine Mischung aus Power Metal mit Folk-Metal-typischen Keyboardmelodien und hymnischem Viking Metal dar. Melodien auf der Drehleier, dem Cellos und der Nyckelharpa über die großen Geschichten des Freibeutertums und die unendlichen Weiten der sieben Weltmeere schaffen es in stimmungsvoller Weise den Anschein von rauschenden Festen zu verbreiten. Man konnte fast schon die rumgetränkten Eichenfässer riechen und die alten Holzdielen knarzen hören. Mit Songs wie "Row Row Row", "The Longing" sowie "Drag O Below" und "Rum" vom aktuellen Album  „Beneath in the Cold“ konnten die beiden Brüder Marius und Timo Bornfleth samt Gefolge das Publikum sehr schnell von sich überzeugen, das begeistert mitklatschte und tanzte.

Nach dem Auftritt ihrer jungen Labelkollegen und einer kurzen Umbaupause betrat die deutsche Dark-Rock-Band Mono Inc. aus Hamburg die Bühne. Deren Name sich vom Begriff Monomanie und dem Wort incorporated ableitet.

 

 

 

 

 

 

Für das 2018er Album "Welcome To Hell" (unsere → Rezension) verschmelzt die Band Historie und Gegenwart. Unter anderem dreht sich auf der aktuellen Platte alles um ihre hanseatische Heimat in der Ära einer Pestepidemie des frühen 18. Jahrhunderts, aktueller als im Moment könnte das alte Thema zur jetzigen Zeit nicht sein und so kamen die Gitarristen mit Pestmasken auf die Bühne. Zur Bestuhlung meinte Engler, es sei etwas gewöhnungsbedürftig, aber mancher Fans ist ja auch froh darüber, seine Fans werden ja auch älter.

Zu Right for the Devil kamen die Musiker von Storm Seeker noch einmal mit auf die Bühne. Sentimental und ganz still wurde es, als Engler von der demenzkranken 83-jährigen Erna S., einer Oma eines Bandmitgliedes erzählte. Sie war im Altenheim und als die Pandemie im März losging, durfte niemand mehr zu ihr. Sie hat Weltkriege erlebt, im April ist gestorben, als Einsamkeit und mangelndem Lebenswillen. Einen Gänsehautmoment verursachte der emotionale Song An klaren Tagen, der ihr gewidmet war und Engler zusammen mit Schlagzeugerin und Sängerin Katha Mia sang. Auch das Drumset von Mia an ihrem beleuchteten Schlagzeug zusammen mit beiden Gitarristen Carl Fornia und Manuel Anton an großen Trommeln zum Theme von „Das Boot“ war sehens- und hörenswert.

Martin Engler rief zum Abschluss zu Liebe und Toleranz auf. Mit seiner Fassung rang er, als er mitteilte, dass die Band aufgrund der jetzigen Corona-Situation wohl lange nicht mehr auftreten wird. Mit diesen Worten ging ein rundum gelungener Konzertabend zu Ende.