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100 KILO HERZ: „Zurück nach Hause“

Zu Beginn des Monats hat uns eine einzigartige Punkrock-Trupe aus Leipzig eine Scheibe serviert, welche man einerseits als Konzeptalbum, andererseits als wilde musikalische Mischung bezeichnen kann. Die Band 100 Kilo Herz hat sich 2016 zusammengefunden und sich daran gemacht klassischen deutschen Punkrock mit Blasinstrumenten zu fusionieren.

Das nun dritte Album der Band trägt den Namen „Zurück nach Hause“ und schon der Titel zeigt, dass sich die Band wieder etwas mehr auf ihre Wurzeln besonnen hat. Mit dem ersten Album „Weit weg von zu Hause“ hat die Reise begonnen, dann ging es über „Stadt, Land, Flucht“ und nun sozusagen wieder zurück. Somit sollte der konzeptionelle Hintergrund des neuen Rund geklärt sein.

Begonnen wird das neue Werk mit dem Opener „Lichter Aus“, doch zu düster wird es nicht. Der erste Song wirkt zuerst etwas depressiv, entwickelt sich jedoch in eine doch hoffnungsvolle Richtung. Manchmal muss man eben etwas das Licht ausmachen. Kaum sind die Lichter aus kommt man auch schon an der „Station 30“ an. Hier wird man von Bläsern begrüßt, welche dann in Kombination mit Gitarren, Bass, Drums und Vocals so richtig durchziehen. „Eine Hölle in Pastell“ wartet direkt darauf auf einen und hier bekommt man sogar eine Gasteinlage von Amy Vialon (Kopfecho) serviert.

Aber nicht nur mit Amy wurde kooperiert, denn in „Keine Zeit für Angst“ hat sich Nicholas Müller von Jupiter Jones beigemengt. Die Songs wirken durch die Gastauftritte etwas dynamischer als die bisher genannten Nummern, doch „Und das nennt ihr Leben“ folgt mit beinharter Sozialkritik. „Das richtige Wort“ tritt dann nochmal das Gaspedal durch, bevor es mit „2694 Tage“ etwas andächtiger und melancholischer wird.

Aber was wäre eine gute Punk-Scheibe ohne eine kleine Ballade. Für mich persönlich wirken hier die Bläser wirklich perfekt. Nachdem zuvor noch nach dem richtigen Wort gesucht wurde, zeigt sich die Band mit „Ohne Worte“ etwas verletzlich, bevor „Alleine leuchten“ wieder mehr Selbstbewusstsein zeigt. „Spiegel"“ folgt als längster Song des Albums und zeigt sich nicht weniger emotional als die vorherigen Songs. „Brocken. Pflaster. Steine“ schiebt noch einmal gewaltig an, bevor die „Lichter an“ gehen.

Fazit: 100 Kilo Herz sind sich einerseits treu geblieben, bringen aber immer wieder Feinheiten, welche die Kompositionen spannend halten. Die Songs sind für Punkrock typisch kurz gehalten, haben dadurch aber auch eine gewisse Prägnanz die Wirkung zeigt. Die Arrangements bekommen durch die Bläser einen leichten Ska-Touchs, welcher jedoch nur minimal zum Vorschein kommt. Alles in allem finde ich, dass 100 Kilo Herz mit „Zurück nach Hause“ gut „heim gefunden“ haben und vergebe somit 9 von 10 Punkten.

--> Musikvideo: 100 Kilo Herz feat. Nicholas Müller // Keine Zeit für Angst

 
Bewertung:

GENRE: Punkrock

TRACKLIST:

1. Lichter Aus
2. Station 30
3. Eine Hölle in Pastell (ft. Amy Vialon / Kopfecho)
4. Keine Zeit für Angst (ft. Nicholas Müller)
5. Und das nennt ihr dann Leben 
6. Das richtige Wort
7. 2694 Tage
8. Ohne Worte
9. Allein leuchten 
10. Spiegel
11. Brocken. Pflaster. Steine
12. Lichter an 

VÖ: 01.09.23
Format: CD / Vinyl / Digital
Label: Bakraufarfita
Vertrieb: Broken Silence

 

Auf Tour im Norden: 07.10.23, Bremen, Kulturzentrum Schlachthof | 03.11.2023, Hannover, Musikzentrum

Rezensent: Gregor