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Tangerine Dream - „Particels“

Das neue Album der deutschen Musikformation ‚Tangerine Dream‘ (zu deutsch ‚Manderinentraum‘) heißt nicht zu Unrecht ‚Particels‘. Beim Durchhören der Nummern hat man tatsächlich den Eindruck, einzelne Teilchen, Fragmente eines größeren Gesamtwerkes zu hören, das über die ledigliche Musik hinausgeht. Eindringliche Musik, die dennoch selbstverständlich und leicht daherkommt.

Tangerine Dream, die vor allem wegen ihrer Pionierarbeit auf dem Gebiet der elektronischen Musik bedeutsam ist, gilt neben ‚Ash Ra Tempel‘ und ‚Agitation Free‘ als Wegbereiter der sogenannten Berliner Schule. Während die frühe Phase der 1967 von dem 2015 verstorbenen Edgar Froese gegründeten Band eher noch dem sogenannten ‚Krautrock‘ zugezählt wird, wandte sie sich stilistisch zunehmend dem ‚New Age‘ zu. In Interviews distanziert sich die Band jedoch von dieser Kategorisierung. Ihre Pionierarbeit mit elektronischer Musik führte zu einer Reihe von Top Ten-Alben auf der ganzen Welt. Der Bandname ist angelehnt an die Textzeile ‚Tangerine Trees and Marmalade Skies‘ aus dem Lied ‚Lucy in the Sky with Diamonds‘ der Beatles.

Das erste Konzert gab Tangerine Dream im Januar 1968 in der Mensa der Technischen Universität Berlin; bereits kurz danach traten sie bei den Essener Songtagen auf, dem damals größten Musikfestival in Deutschland mit über 40.000 Besuchern. 2016 gab es wieder regelmäßige Auftritte in der Dreier-Besetzung Thorsten Quäschning, Hoshiko Yamane und Ulrich Schnauss im polnischen Szczecin, in Windeck (Deutschland, Nordrhein-Westfalen) zum Schwingungen-Festival und in der Schweiz. Die Band besteht weiter, entsprechend dem Wunsch ihres Gründers Edgar Froese und in dessen Sinne.

Bemerkenswert sind auch die Soundtracks zu Filmen, Serien und Videospielen, die entweder zur Gänze oder zum Teil aus Nummern der Band bestehen. So etwa die Filme: ‚Sorcerer‘ ‚Risky Business‘ ‚Shy People‘ ‚Thief‘ ‚ Legend‘ ‚The Keep‘, ‚Firestarter‘ ‚Flashpoint‘ und ‚Near Dark‘, das Videospiel ‚Grand Theft Auto V, und in jüngster Vergangenheit die Netflixserie ‚Stranger Things‘. Einen geschichtlichen Abriss zur Bedeutung von Tangerine Dream und Edgar Froese bietet die TV-Dokumentation Tangerine Dream – Sounds from Another World auf Arte im November 2016, von der 2017 noch eine erweiterte Kinofassung erscheinen wird. Der Dokumentarfilm ‚Revolution of Sound: Tangerine Dream‘ (87 Min.) startete im September 2017 in den deutschen Kinos.

Doch zurück zum neuesten Album. Wie bei Bruckner meint man eine Musik zu hören, deren  Zeit noch nicht gekommen ist, und die den Durchschnittszuhörer eher abschreckt.  Bemerkenswert in unserer schnelllebigen Zeit ist die Länge mancher Nummern, so etwa des ersten Tracks ‚Session‘. Die zweite Nummer "Stranger Thing Main Theme" ist atmosphärisch und dicht. Die Nummer "White Eagle" klingt futuristisch erhebend, um nur einige zu nennen.


Bewertung:

GENRE: Elektronische Musik, Berliner Schule, Ambient

TRACKLIST:

1. Session
2. Stranger Thing Main Theme
3. Rubycon
4. Mothers of Rain
5. Power of the Rainbow Serpant
6. White Eagle
7. Dolphine Dance
8. Shadow and Sun

VÖ: 23. Juni 2017
Format: CD / LP / Digital
Label: Invisible Hands Music
Auf Tour im Norden: 07.02.2018, Elbphilharmonie Hamburg

Rezensionist: Florian

--> Musikvideo: Tangerine Dreams